Mittwoch, 3. Juni 2015

Ein Film, der die eigene Welt anhält

Freier Fall
Drama um eine Liebe, die nicht sein darf

Mark und Kay lernen sich bei einer Fortbildung der Polizei kennen. Sie laufen gemeinsam, trainieren und teilen sich eine Stube. Und bald auch den ersten Kuss. Für Mark geht das gar nicht, denn er lebt mit seiner schwangeren Frau in einem Reihenhaus, welches ihm seine Eltern finanziert haben. Also der perfekte Lebenstraum. Wenn da nicht Kay wäre und diese unbändige Anziehung....

Ich bin eher durch Zufall über "Freier Fall" gestolpert. Ein Freund hat mir den Trailer gezeigt und mir war klar, ich muss diesen Film sehen. Warum? Nun, schon beim Trailer habe ich Rotz und Wasser geheult. Und das konnte bisher wirklich noch kein Film.

Dieses Werk von Stephan Lacant geht direkt dorthin, wo es weh tut. Ich saß fassungslos und gebannt auf dem Sofa. Mark und Kays Begegnung ist weder von Violinen begleitet, noch kribbelt es direkt. Ja, ihre ersten Kontakte sind beklemmend normal und alltäglich. Und das macht den Film so anziehend. Hier wird kein Wert auf Klischees rund um Schwule gelegt, sondern einfach und pragmatisch die Liebe zweier Menschen gezeigt. Dass einer von beiden Frau und Kind hat, ist dabei nur ein Manko. 

Hanno Koffler und Max Riemelt geben Mark und Kay so viel Leben, so viel Gefühl und Tiefe, dass es schon weh tut. Ich konnte meinen Blick nicht abwenden, habe mit beiden gelitten, habe gehofft, ja gefleht, dass es für die Zwei doch einfach nur easy werden möge. Doch das Leben ist nicht so. Und deshalb ist dieser Film auch nicht so. "Freier Fall" geht dahin, wo es weh tut. Ohne Umwege mitten ins Herz und die Emotionen.

Dabei sind Sprache und Musik sehr zurückgenommen. Großartige Dialoge gibt es nicht, "Freier Fall" lebt von seinen Bildern und von seinen Hauptdarstellern. Allein deren Darstellung macht das gesamte Werk schon sehenswert. Dass es dabei auch noch um eine Liebe geht, die so nicht sein darf, ist dabei schon fast nebensächlich. Besondern Max Riemelt alias Kay hat mich mit seiner Darstellung direkt ins Herz getroffen.

Und daher sitze ich hier im Dunkeln, kann immer noch nicht fassen, was ich gerade gesehen habe und meine Welt ist aus den Fugen geraten. Tränen flossen lautlos und ich bin innerlich gerade am Boden. Die Freigabe ab 12 Jahren mag zwar formal korrekt sein, vom Inhalt her glaube ich, dass selbst 18-jährige es nicht greifen können. Wie auch, wenn "Freier Fall" so schmerzhaft intensiv ist?

Ich kann diesen Film jedem, aber auch jedem empfehlen. Er besitzt Gefühl ohne Kitsch, Liebe ohne Rosa und Trauer ohne Weltschmerz. Mit einem Wort: grandios!








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