Montag, 27. Juli 2015

INTERVIEW mit POPPY J. ANDERSON

Quelle: http://www.poppyjanderson.de/

Du bist seit der Kindheit fasziniert von Football und viele deiner Romane handeln davon, wie begann diese Leidenschaft dazu (oh je, die Frage wurde bestimmt schon 1000 Mal gestellt)?

Die Leidenschaft begann eigentlich durch Filme, also Filme über Football, die ich immer ganz toll und interessant fand, weil ich die Sportart so schön finde.
Ich bin ja auch so ein großer Fußball Fan , diese Mannschaftssportarten finde ich einfach toll,[...]
aber Football finde ich so schön, weil es so ein Sport mit viel Körpereinsatz und taktisch ist, aber dennoch ein bisschen anders als Fußball bei uns durch verschiedene Aufstellungen und Positionen. Es ist einfach lange etwas exotisches für die Deutschen gewesen, da wir das hier nicht so oft sehen.
Hauptsächlich aber über die Hollywood Blockbuster, die von Football handeln.


Noch einmal herzlichen Glückwunsch zum millionsten Roman der als Selfpublisher bei Amazon (in Deutschland) verkauft wurde.
Wie war es, die erste deutsche Autorin zu sein, die das vollbracht hat? Was ist in dir vorgegangen, wie hast du dich gefühlt?

Ich wusste erst gar nicht, dass ich die Erste bin, die eine Million erreicht hat.
Wir hatten so einen Messestand von Autoren, alles Selfpublisher, haben im Vorfeld insgesamt mal ausgerechnet, wie viele Exemplare wir so verkauft haben, da habe ich das erste mal meine Zahlen überhaupt zusammen gerechnet und da sprach mich dann Matthias Matting darauf an und meinte:
 „Wir können ja jetzt bei dir den Countdown einleiten“  "AHA, ich wusste das gar nicht!!!“.
So kam es halt, dass ich dann noch einmal gezielt danach geschaut habe und tatsächlich diesen Countdown eingeläutet habe.
Es war natürlich ein Wahnsinnsgefühl, es ist einfach eine Zahl, die unvorstellbar ist.
Ich habe früher immer gesagt, als ich das erste Buch hoch geladen habe, was ich wirklich aus Spaß gemacht habe, „wenn ich mal 50 Bücher verkaufe, ist das der absolute Wahnsinn für mich“, und ich hätte im Traum nicht damit gerechnet, dass es mal so eine riesige Zahl wird.
Ich bin sehr stolz darauf.


In welche Richtung wärst du beruflich gegangen als studierte Historikerin, wenn der Erfolg als Autorin ausgeblieben wäre?

Mein Plan war ja immer: ich studiere Geschichte und Germanistik und dann werde ich entweder Lehrerin (ich habe auch 3 Jahre im Gymnasium unterrichtet und wollte dann meine Doktorarbeit zu Ende bringen) oder hätte ganz gerne in einem Museum oder einer Stiftung gearbeitet. Hätte mir auch vorstellen können in die Lehre zu gehen z.B. an der Universität und dort Kurse  für Studenten zu geben. Das hätte ich gerne gemacht.
Es ist natürlich immer ein Traum gewesen Autorin zu werden, aber das war für mich alles so fern, genau so fern, als wenn ich jetzt gesagt hätte: ich werde Schauspielerin und werde oscarpreisgekrönte Schauspielerin in Hollywood... Ich hab halt niemals damit gerechnet, es ist ja so über Nacht gekommen und war völlig ungeplant, es ist so ein unendlicher Traum, der in Erfüllung gegangen ist.
Aber wenn es nicht funktioniert hätte, um darauf zurück zu kommen, hätte ich meine Doktorarbeit beendet,(was ich auch noch machen möchte, aber da nehme ich mir jetzt noch viel mehr Zeit mit) und dann im Wissenschaftlichen Bereich gearbeitet.


Du kannst ja als Selfpublisherin entscheiden, wann ein Roman heraus kommt und wie schnell du arbeitest. Nun bist du auch beim Rowohlt Verlag unter Vertrag, gibt es da für dich Unterschiede von der Herstellung? Ist der Druck größer (wegen festgelegtem Abgabetermin) oder schwerer mit Vorgaben zu arbeiten, falls du welche bekommst?

Also die Bücher, die bei Rowohlt raus gekommen sind, sind ja die ersten drei Teile meiner Bücher, die ja schon als eBook erschienen sind. Die hat Rowohlt tatsächlich 1 zu 1 übernommen, es wurde dann noch ein wenig redigiert, da man noch einmal darauf geachtet hat, dass alles ein wenig angepasst wird, es war also keine Buch, was ich hätte neu schreiben müssen. Daher kann ich wegen Abgabedatum etc. nicht so sagen. Kenne es nur aus Erfahrungen von anderen Autoren, die tatsächlich ein Buch nach Vorgabe schreiben, im Vorfeld ein Abgabedatum haben und während dessen mit Lektoren zusammen arbeiten und den Plot zusammen generieren.
Als Selfpublisher ist es natürlich super, dass man alles selbst entscheiden kann, jedoch hat man natürlich die ganze Arbeit, die in einem Verlag Hand in Hand ablaufen und abgenommen werden, die man so ganz alleine erledigen muss. Es ist viel mehr Arbeit, aber auch eine schöne Freiheit. Es hat beides seine Vor- und Nachteile


Du hast nun seit 2012 unaufhörlich einen Erfolg nach dem nächsten, was hat sich seit dem alles für dich verändert? Wer sorgt dafür, dass du diese angenehme Bodenständigkeit nicht verlierst?

Tatsächlich hat sich für mich nichts geändert, ich bin nicht abgehoben oder so, ich würde auch niemals nicht bodenständig sein wollen! Ich finde nichts schlimmer, als wenn er dann so abdreht, wenn er dann mal Erfolg hat. Das ist eine Sache, die kann auch immer schnell vorbei sein, das muss man sich einfach vor Augen halten. Klar kann man es zu dieser Zeit dann genießen, aber man muss sehr hart daran arbeiten, dass das auch so bleibt.
Darum glaube ich, dass diese Arbeit jeder selbst hat, jeder selbst dafür sorgt, dass man bodenständig bleiben muss. Denn wenn ich nun sage „Ich ruhe mich nun aus, auf dem was ich bis jetzt erreicht habe“ dann kann das alles ganz schnell vorbei sein.
Es kann auch schnell vorbei sein, wenn ich jetzt weiter schreibe. Vielleicht treffen die Bücher nicht mehr den Nerv der Leserinnen, man kann das ja alles vorher nicht sagen und ahnen und deshalb bemühe ich mich einfach so gut wie möglich Leistung abzugeben und etwas zu schreiben, was die Leserinnen gern lesen möchten.
Mein Umfeld hat sich jetzt nicht verändert, so das ich sagen könnte, ich suche mir jetzt andere Freunde, das wäre ja total schwachsinnig, das würde einfach nicht zu mir passen, würde ich meinen.


Wie lange brauchst du im Schnitt für ein Buch, vom ersten bis letzten Moment? Wenn ich richtig gezählt habe, hast du mit deinen 32 (?) Jahren schon 21 Bücher heraus gebracht.

Ja, es sind so um die 20, die Zahl weiß ich gerade selbst nicht so genau. Es sind ja auch ein paar kleinere Bücher dabei oder Specials mit Rezepten. So ein richtiges Buch z.B. „Nur ein Kuss“ was ich im April raus gebracht habe, das habe ich tatsächlich vor 7 Jahren angefangen zu schreiben. Es war halt nicht fertig, ich hab es jetzt erst fertig geschrieben, das begleitet mich schon ganz lange. Die Geschichten selber habe ich schon seit Jahren im Kopf, dadurch auch die Figuren und andere Protagonisten und es ist alles ausgearbeitet, die sind schon eigenständige Persönlichkeiten. Und das Schreiben selber, sobald die Geschichte richtig in meinem Kopf ist und ich weiß, wie sie aufgebaut wird, geht das Schreiben relativ schnell. Die Geschichten begleiten mich jahrelang.
Ich würde sagen, dass ich für das Aufschreiben der Geschichte dann 4 Wochen bis 5 Monate benötige, genau kann man das nicht sagen.
Notizen habe ich chaotisch überall, ob im Handy oder auf Zetteln oder Blöcken...überall, doch das Meiste habe ich im Kopf.
Wichtig finde ich, dass die Stimmung passen muss!
Es gibt noch Bücher, die unvollständig sind, obwohl ich sie schon längst hätte heraus bringen wollen, aber es fehlte die passende Stimmung zum schreiben.
Sie sind vielleicht sehr melancholisch und da hat man gerade nicht die gewisse Schwere für, sich hinein versetzen zu können oder ein Buch, das lustig und fluffig, locker und lustig sein soll,  aber du selbst befindest dich in einem Tief. Das funktioniert dann einfach nicht.

Was lenkt dich am meisten vom Schreiben ab?

FACEBOOK!!!

Womit belohnst du dich am liebsten nach Fertigstellung eines Buches?

Ich mache da eigentlich so eine Urlaubsplanung, was ich alles schönes machen könnte. Es kann so ganz unterschiedlich sein, wie zum Beispiel jetzt, dieser Berlin Trip und ein Konzert besuchen. Oder ich überlege, was könnte man nächstes Jahr Schönes machen, aber tatsächlich ist es nach einem Buch anders!
Ich bin da so euphorisch und plane schon das Nächste. Es ist eigentlich gar nicht so eine große Sache für mich, dass ich sage „Nun kaufe ich mir irgend etwas oder mache etwas tolles um mich zu belohnen“ Man ist da noch in diesem absoluten Schreibmodus und freut sich, beginnt zu überlegen, welches Buch könnte ich den jetzt schreiben.
Ich freue mich sogar auf das Nächste und das ich wieder in die Tasten hauen kann :)

Kannst du denn schnell abschalten und gleich auf eine neue Geschichte umschalten?

Ja, das gibt es aber nicht all zu oft.
Es gibt meistens beim letzten Buch das fertig wurde, noch so viel zu erledigen z.B. Korrektorat, oder Cover oder einer Planung für eine Veranstaltung... , das ich nicht gleich dazu komme, aber wenn ich diesen tollen Schreibmodus und die Euphorie ausnutzen kann, dann klappt das sehr gut, dann kann ich sehr gut umschalten.


Wie geht deine Familie mit einem intensiven Schreibmarathon zum Ende eines Buches um?

Also vor allem Freunde und Familie, die verstehen das , dass ich da nicht so viel Zeit habe oder dass ich dann mal sage „Können wir das Kino vielleicht doch noch einmal verschieben? Ich bin gerade dabei das Kapitel zu schreiben und so gut drinnen, wenn ich jetzt aufhöre und ins Kino muss, hab ich irgendwie auch den Kopf nicht so frei“. Denn wenn ich in dieser Welt des Buches hänge, haben die da sehr viel Verständnis für, muss ich schon sagen.
Aber auch meine Schwester ist eine riesengroße Hilfe, sie nimmt mir immer ganz viel ab und macht alles mit den Hunden. Ich kann dann schreiben und sie ist dann diejenige, die immer sagt, wenn ich ihr das neue Kapitel schicke „Ja mach mal, ich will das nächste lesen, beeil dich doch mal!“(an dieser Stelle mal liebe Grüße an Ina von Sannistyle-Berlin)
Das ist eine super Unterstützung, es ist auch wichtig für mich, ansonsten könnte ich das gar nicht so in dieser hohen Frequenz schaffen.

Von wem würdest du dir hier auf Sannistyle-Berlin.de ein Interview wünschen?

Also ich bin ja totaler Diana Gabeldon Fan, die die tolle, unglaublich wunderschöne und lesenswerte Highland Serie geschrieben hat. Ich würde mir gerne ein Interview wünschen, das so ein bisschen auf den deutschen Buchmarkt abzielt. Also was sie da genau für Vorstellungen und Wünsche hat und ihr besonders gut daran gefällt. Es ist ja alles so auf den amerikanischen Markt ausgerichtet, wenn sie Interviews gibt, so etwas fände ich total toll.


Liebe Poppy, ich danke dir ganz doll für dieses tolle Interview und deine Zeit, wir (Tabea, meine Tochter und ich) fanden es so lustig mit dir und freuen uns auf das nächste Mal, wenn wir quatschen und zusammen lachen können. 
Sandra

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