Montag, 10. August 2015

Interview mit Micaela Jary +Gewinnspiel



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Liebe Micaela, ich freue mich sehr, dass du im Zuge der Veröffentlichung deines neuen Buches „Wie ein fernes Lied“ heute am 10.08.2015, Zeit gefunden hast für dieses Interview.  



Es freut mich umso mehr, da es ein Wunsch von Kerstin Gier war hier auf meinem Blog Sannistyle-Berlin, etwas über dich zu lesen. Hier nach zu lesen: Interview Kerstin Gier

Dieses Interview vorzubereiten war recht intensiv, weil ich bei der Recherche immer wieder abgeschweift bin und in Deiner als auch der Vergangenheit deines Vaters gelandet bin. 
Halleluja war das spannend. Ich hätte 1000 Fragen stellen können, habe mich aber nun auf diese hier beschränkt.

Du hast „Wie ein fernes Lied“ ja sehr lange geplant und es war/ist eine Herzensangelegenheit. Warum ließ es so lange auf sich warten, was waren die Gründe?

Als ich vor etwa zehn Jahren begann, einen Roman über die Hamburger Swing-Jugend zu schreiben, rieten mir meine damalige Agentin und auch einige Lektoren davon ab. Die Zeit war wohl noch nicht reif für eine Geschichte wie diese. Als mich die Programmleiterin des Piper Verlags vor eineinhalb Jahren auf einen Stoff ansprach, der im Zweiten Weltkrieg spielen sollte, rannte sie damit aber natürlich offene Türen bei mir ein.


Dein Vater Michael Jary war ja ein sehr bekannter Mann, ich muss einfach mal einige berühmte Titel erwähnen, die aus seiner Feder stammen und an denen er mitgewirkt hat. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, „Das machen nur die Beine von Dolores“ und „Wir wollen niemals auseinander gehen“ um nur einige, von über 600 Stücken zu nennen.

Wie bist Du damals aufgewachsen? Ich habe gesehen, es gab Kindermädchen, ein Hausboot, Orte wie München, Hamburg und Lugano in denen ihr gelebt habt. 

Naja, normal im bürgerlichen Sinne war meine Kindheit vielleicht nicht, obwohl ich mein Leben damals schon für ziemlich normal hielt, denn ich kannte es ja nur so. Aber es war auch nicht so aufregend, wie es sich manche vorstellen. Meine Eltern waren schließlich keine Hippies oder irgendwie durch geknallte Freaks. Bis auf den Starkult um meinen Vater, der allgegenwärtig war, und der Begegnung mit vielen Berühmtheiten in meinem Alltag, führten wir ein relativ unaufgeregtes Leben. Das heißt: Meine Eltern frühstückten mit mir, brachten mich – je nach Alter – zur Schule und holten mich wieder ab, meine Mutter kochte das Mittagessen. Abends gingen meine Eltern viel aus oder es kamen Gäste, aber es war immer jemand für mich da, meist meine von mir über alles geliebte Oma. Meine Mutter war nachsichtiger, wenn’s mit den Rechenaufgaben mal wieder nicht klappte, und mein Vater in diesen Dingen eher streng. Ich lud meine Freundinnen ein, veranstaltete Kinderpartys und fuhr in den Ferien immer an denselben Ort – nach Lugano. Letzteres war auf Dauer ziemlich langweilig und überhaupt nicht spektakulär.


Paris spielt nicht nur in „Wie ein fernes Lied“ eine große Rolle, sondern auch in deinem Leben. Was veranlasste dich 1995 dort hin auszuwandern und was zog dich im Jahre 2000 wieder zurück nach Deutschland?

Es war ein langgehegter Wunsch von mir, für eine Weile im Ausland zu leben und zu arbeiten. Mit Anfang zwanzig wollte ich nach Ost-Afrika auswandern, aber eine Jungredakteurin konnte man dort gerade nicht gebrauchen. Dann bekam ich meine Tochter und blieb als alleinerziehende Mutter erst einmal im Lande. Als ich mit 38 Jahren schwerkrank wurde (verschleppte Influenza mit Lungenentzündung und Herzbeutelentzündung) und mich vier Wochen vor Weihnachten auf einer Intensivstation wiederfand, dachte ich, jetzt ist es Zeit für ein neues Leben. Eigentlich war damals London meine erste Wahl, aber die Quarantäne-Bestimmungen standen meinem Hund und mir im Weg. Also fuhren meine damals zwölfjährige Tochter und ich mit dem Finger über die Landkarte und landeten in Paris. Mailand war auch noch eine Option, aber mir damals zu kriminell. Nach Paris zu gehen war definitiv die beste Entscheidung meines Lebens.

Ich kam wegen eines einzelnen Herrn zurück! Gute vier Jahre nach meinem Umzug fuhren wir zum ersten Mal zu Beginn der Sommerferien für eine Woche nach München, wo wir vorher gewohnt hatten, um alte Freunde zu treffen und ein paar Termine wahrzunehmen. Bei einem Geschäftsessen begegnete ich dem Mann meines Lebens. Der reiste mir danach vier Monate quer durch Europa jedes Wochenende hinterher – bis wir endgültig beschlossen, zusammenzubleiben. Deshalb zog ich mit Kind, Hund, Computer und Büchern zurück nach München. Heute bin ich mit bewusstem Herrn sehr glücklich verheiratet.

Übrigens habe ich die zeitgenössische Handlung von „Wie ein fernes Lied“ in das Jahr 1999 gelegt, weil es mein letztes Jahr in Paris war.



Du bist in deinem Leben so oft umgezogen, hat es dich nie irgendwo gehalten? Was war der Grund, Fernweh? Wann wirst du sesshaft?

Ich richte gerne Wohnungen ein. Wäre ich besser in Mathe, wäre ich vielleicht Innenarchitektin geworden. Seit fast sechs Jahren wohne ich in Berlin – und hier bin ich angekommen. Obwohl ich nach wie vor zwischen Berlin und München pendele, ist in Berlin unser Zuhause (vielleicht auch, weil der Weg in meine Geburtsstadt Hamburg nicht so weit ist).


Ich habe in einem anderen Interview gelesen, das du von einer Wohnung in Venedig träumst, ist das immer noch der Fall oder gibt es einen anderen Traumort?

O ja! Das ist noch immer mein Traum. 

Mein Mann und ich hatten mal zehn Tage eine Ferienwohnung nahe der Fondamente Nove gemietet. Das war toll. Auf dem Fischmarkt für Spaghetti Vongole einzukaufen, ist in der Erinnerung noch immer mein absolutes Highlight. Gerade habe ich ein Ferienhaus am Lido gefunden. Das könnte für eine Woche oder länger durchaus unser Urlaubsziel sein... Mal schau’n, ob wir im Herbst noch die Zeit für Ferien haben.

Mit den Jahren werde ich aber etwas vernünftiger. Läge mein Lebensmittelpunkt noch in München, wäre ein Refugium in Venedig eine wundervolle Idee, die ich zu verwirklichen versuchen würde. Aber von Berlin aus ist eine eigene Wohnung dort einfach zu weit. Deshalb bleibt Venedig ein Traum – und wir orientieren uns in Richtung Ostsee. Ich hätte gerne eine Wohnung in Reichweite des Wassers und mit großer Terrasse... Aber es ist noch nichts spruchreif. Überhaupt noch nicht. So ist das eben mit den Träumen.


Es kommt mir so vor, als wäre sehr viel in „Wie ein fernes Lied“ autobiographisch angehaucht, so ist z.B. Michael Jarys Kammertanz Orchester, Vorbild für Harry Alsens Tanzorchester in deinem Buch. Wie viel hast Du mit Erinnerungen (und dem Leben deines Vaters) verknüpft?

Bis auf die Existenz des Tanzorchester Harry Alsen hat meine Geschichte nichts mit dem Kammertanzorchester Michael Jary zu tun. Mein Vater hat zwischen 1939 und 1944 ein ganz anderes Leben geführt als meine Protagonisten. Manche Geschichten, die ich von ihm und anderen Musikern gehört habe, fließen zwar ein, aber autobiographisch ist das Gesamtbild nicht.


Wie belohnst du dich, nach fertig Stellung eines Buches?

Ein Ritual gibt es nicht. Ich habe gerade mal in mein Tagebuch geschaut: Nach der Fertigstellung von „Wie ein fernes Lied“ passierte nichts Aufregendes. Wir waren allerdings vier Wochen vorher ein paar Tage in Brüssel und Paris, das hallte noch in mir nach. Wenn ich mit meinem Roman „Sterne über der Alster“ fertig bin, werden wir wohl für ein Wochenende an die Ostsee fahren. Ich hoffe, dass die Meerluft meinen Kopf frei pustet. Das nächste Projekt wartet nämlich schon.


Was darf auf deinem Schreibtisch nicht fehlen, wenn du schreibst?

Papier. Ich schreibe mir andauernd irgendwelche Notizen auf, drucke Fundstücke aus dem Internet aus und drucke auch immer die neuen Kapitel aus. Da bin ich sehr altmodisch und benutze den Computer letztlich wie eine Schreibmaschine.


Das schwierigste beim schreiben für dich ist...?

Mein Körper, der nicht so lange durchhält wie mein Kopf. Nach spätestens vier bis sechs Stunden kann ich nicht mehr, selbst wenn ich noch so gerne weiterschreiben würde. Dann schmerzen Nacken und die rechte Schulter (die am Anfang des Mausarms), es knack im Kreuz und neuerdings auch in den Knien. Meine Augen haben dann die Form des Monitors angenommen und brauchen einen Blick ins Grüne und/oder ein Ice-Pad. 



Bei welcher Veröffentlichung bist du aufgeregter? Heute am 10.08. zu „Wie ein fernes Lied“ oder am 09.11.2015, wenn der Folgeroman „Sterne über der Alster“ von deinem sehr erfolgreichen „Das Haus am Alsterufer“ erscheint?

Ich bin bei jeder neuen Veröffentlichung so aufgeregt wie beim allerersten Buch. Wahrscheinlich sogar noch mehr, weil ich die Mechanismen des Verlagsgeschäfts und des Buchhandels heute besser kenne als damals. Es hängt ja so viel von einem guten Start ab, vor allem wirtschaftlich, denn Schreiben ist mein Job - ich lebe davon. Aber der Erfolg eines Romans beflügelt auch, gute Rezensionen und ein großes Leser-Interesse haben ja nun etwas. Ich fühle mich dann ganz sacht auf eine Wolke gehoben und schwebe dahin...


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Micaela Jary über sich:
Als mich mein Vater nach meiner Geburt im UKE in Hamburg zum ersten Mal sah, sagte er: "Die wird mal Schriftstellerin!"  Dies geschah sicher unter dem Eindruck des ein Jahr zuvor in deutscher Übersetzung erschienenen Romans "Bonjour tristesse" der blutjungen, wunderhübschen Françoise Sagan. Ich wuchs als Tochter des Filmkomponisten Michael Jary in der Welt des Kinos - und damit der erfundenen Geschichten - auf und begann schon früh, mir Romanhandlungen auszudenken. Mit 14 schrieb ich nach der Lektüre von Daphne du Mauriers "Des Königs General" und "Vom Winde verweht" von Margaret Mitchell meinen ersten historischen Roman. Dennoch sollte es noch sehr lange bis zur Veröffentlichung meines ersten Buchs dauern. Ich studierte erst einmal Sprachen, machte ein Volontariat bei einer großen deutschen Tageszeitung und wurde Journalistin. Seit etwa zehn Jahren arbeite ich ausschließlich als Schriftstellerin. Ich bin verheiratet, habe eine erwachsene Tochter und lebe nach einem wundervollen, viereinhalb Jahre langen Aufenthalt in Paris heute mit Mann und Hund in Berlin und München. 



Werke:
Die Figuren des Goldmachers (1997)
Charleston & van Gogh (1999)
Die Pastellkönigin (2005)
Die geheime Königin (2007)
Das dritte Schwert (Gemeinschaftsroman) (2008)
Die Seidenhändlerin (unter dem Pseudonym Gabriela Galvani, 2008)
Die Hüterin des Evangeliums (unter dem Pseudonym Gabriela Galvani, 2010)
Sehnsucht nach Sansibar (2012)
Die Bucht des blauen Feuers (2012)
Das Bild der Erinnerung (2013)
Das Haus am Alsterufer (2014)
Wie ein fernes Lied (ET 10.08.2015)
Stern über der Alster (ET 09.11.2015)



Gewinnspiel:
Haltet euch fest, Micaela hat sich etwas ganz tolles für gleich zwei Gewinner ausgedacht!

Zu gewinnen gibt es:
1 Platz
1x2 Karten für ihre Musikalische Lesung zu „Wie ein fernes Lied“ mit dem Premier Swingtet um Max Raabes Gitarrist Uli Hoffmeier am 9.10.2015 um 19:30 Uhr in Berlin,
bei der du sie kennen lernen kannst, als auch ein persönlich signiertes Exemplar "Wie ein fernes Lied" aus ihrer Hand bekommst!

2 Platz
ein signiertes Exemplar von „Wie ein fernes Lied“.

Also mich hat das umgehauen! 

Ich werde für den Blog auch in Berlin vor Ort sein und berichten.
Was ihr dafür tun müsst?
Beantwortet einfach die Gewinnfrage,
Gewinnfrage: Wie lautet der Titel des Buches, das am 09.11.2015 von Micaela Jary erscheint?
liked den Beitrag (teilen gewünscht aber keine Pflicht)
liked SannistyleBerlin und Micaela Jary (Autorin) auf Facebook und ihr seid dabei!!!
Kleiner Tipp, die Antwort befindet sich im Interview!
VIEL GLÜCK!



Sanni

Kommentare:

  1. Sonjas Bücherecke12. August 2015 um 11:59

    Hallo Sanni,

    mensch ist das ein tolles Interview und so tolle Preise. Ich bin auf die Autorin erst mit dem Buch "Das Haus am Alterufer" aufmerksam geworden und das ist eines meiner absoluten Lesehighlights.

    Freue mich, daß am 9.11.2015 der Folgeroman "Sterne über der Alster" (Beantwortung der Frage) erscheint. Da ich im November GEburtstag habe, passt das ja prima. Werde mir das Buch schenken lassen oder selber schenken.

    Ich bin wirklich total begeistert vom Schreibstil der Autorin, sie zieht mich immer sofort in den Bann der Geschichte.
    Wünsche ihr sehr viel Erfolg. Jetzt hüpfe ich ganz schnell in den Lostopf. Die Berlinreise käme leider nicht in Frage, beträgt von mir aus einfach 5 Stunden Fahrtzeit. Dann hüpfe ich schnell für Preis 2 in den Lostopf (auch ein Traum, ein signiertes Buch ist immer was ganz besonderes.)

    Wünsche euch einen schönen Sommer.
    LG Sonja von Sonjas Bücherecke (s.werkowski@kabelmail.de)

    PS. Hoffentlich vergessse ich keine der gestellten Anforderungen.

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  2. Hallo Sanni,

    das ist ja ein super Gewinnspiel :)

    Die Antwort lautet: "Sterne über der Alster" (Ich hoffe das das richtig ist, hier zu antworten ) Ich würde mich nämlich riesig über ein signiertes Exemplar freuen, weil das Buch schon so lange auf meiner Wuli steht.

    Die Seiten sind gelikt.

    Ich hoffe ich hab nichts vergessen oder übersehen.

    Liebe Grüße, Kerstin (k.fuhlert@googlemail.com)

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