Mittwoch, 14. Oktober 2015

Besuch im Musical "ROCK IT"







Zac Efron? - Das ist doch dieser Typ aus High School Musical... Und Daniel Axt? - Hmm, bitte wer?... Daniel war nach Einschätzung deutscher Jugendzeitschriften die hiesige Antwort auf den US-Star. Nach dem Hype um die 2006 gestartete High School Musical-Reihe ließ Disney nach erfolgreichen lokalen HSM-Ablegern in Argentinien, Brasilien und China auch in Germany eine „Variante“ des weltweiten Teenie-Blockbusters produzieren.



„Rock it!“ hieß das Ergebnis. Für 3,4 Mio Euro wurde 2009 die Geschichte um ein schüchternes, Geige spielendes Teenie-Girl produziert, das die Aufnahme auf das berühmte Musikinternat Amadeus schaffen will. Abgelenkt wird sie von der Chance, Keyboarderin der Band Rock it um den süßen Sänger Nick zu werden. Diesen Nick spielte Daniel Axt – und das sehr überzeugend. Doch stalkende Fans und mit Postern tapezierte Teenie-Zimmer, die Zacs Filmauftritt folgten, konnte Daniel nicht verbuchen. Die Besucherzahlen waren anständig, aber nicht überragend. Und so richtig sprang der Funke bei den deutschen Kids nicht über. Ob es an dem ungewohnten Look des Films lag, der weniger bunt daherkam als beim US-Pendant? An der Story, der Musik oder den Darstellern? Oder doch am Marketing?


André Friedrich war nach seinem Kinobesuch 2010 jedenfalls begeistert: „Tolle Darsteller, eine gute Geschichte und richtig gute Songs.“ - Als er 2012 mit engagierten Eltern das Tanz-Musik-Theater für Kinder und Jugendliche TAMUTHEA e.V. gründete, fiel ihm der Film sofort wieder ein. „Die Geschichte bot sich geradezu an für eine Bühnenproduktion mit jungen Darstellern. Da war alles drin, um Talente zu zeigen – als Sänger, Tänzer, Schauspieler, Musiker. Genau darum geht es bei TAMUTHEA: Ziel ist es, mit viel Spaß und Freude Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gleich welcher kultureller und sozialer Herkunft eine Möglichkeit zu eröffnen, ihr Talent zu entdecken, unter fachlich kompetenter Anleitung zu entwickeln und in einem Ensemble einzubringen.“


Nach den erfolgreichen Verhandlungen über die Lizenz zur Bühnenadaption wurde als Veranstaltungspartner das renommierte Theater am Kurfürstendamm gewonnen. Fünf Jahre nach der Kinopremiere würde TAMUTHEA „Rock it!“ am Berliner Kudamm erstmals auf die Musicalbühne bringen. Produzent André Friedrich hatte aber noch eine Idee: „Ich hatte mal bei einer Veranstaltung Daniel Axt kennengelernt und fragte an, ob er die Patenschaft übernehmen würde.“ - Daniel hatte nach Rock it! sein Abi abgeschlossen, einige TV-Filme gedreht, synchronisiert und ein 2 ½ jähriges Schauspielstudium in New York mit Diplom abgeschlossen. - Als die Anfrage von TAMUTHEA kam, sagte Daniel sofort zu. Aber es kam anders, als er gedacht hatte...




Wir haben Daniel Axt nach der umjubelten Show getroffen:


5 Jahre nach der letzten Klappe bist du wieder an einem ROCK IT Set, aber dieses Mal in einer anderen Funktion...


DANIEL: Ich kam zu den Proben als Pate. Das war für die Kids was ganz Besonderes und sie waren am Anfang sehr aufgeregt, weil da Jemand vom Film da ist. Aber ganz schnell haben wir einen Draht zueinander gefunden. Ich sollte Ideen mit einbringen und ich hatte so einige. Sie haben gemerkt, dass wir immer große Fortschritte gemacht haben, wenn ich da war. Und schließlich wurde ich gefragt, ob ich nicht die Regie übernehmen wolle. Ich musste etwas überlegen – ich bin jung und habe das noch nie gemacht – aber dann habe ich zugesagt. Mit 23 an so einer renommierten Bühne sein Regiedebut zu haben, ist Wahnsinn. Und mit so vielen großartigen, kreativen Menschen zusammenzuarbeiten eine Ehre.


Was unterscheidet das Bühnenstück vom Film?


Man kann das schwer vergleichen. Die Geschichte ist natürlich die Gleiche, wir haben aber mehr Musik im Stück, darunter auch mehr Klassik. Die vielen kurzen Schnitte des Films umzusetzen, war sehr schwer und ist im Theater eher ungewohnt. Manche Szenen sind nur 2 min. lang. Eine Herausforderung war natürlich die Arbeit mit den Kids. Die sind zwischen 12 und 20 Jahren als, gehen zur Schule und bei vielen ist das Musical ein Hobby. Die wollen sich ausprobieren und Spaß haben. Beim Film waren ja quasi nur „Profis“ dabei, die das Spiel vor der Kamera kennen und das ernster nehmen. Aber unsere Kids sind richtig gut, total motiviert und schon richtig professionell.


ROCK IT wurde immer mit HIGH SCHOOL MUSICAL verglichen.


DANIEL: Es hat schon eine gewisse Ähnlichkeit, es ist das gleiche Genre. Aber Star Trek ist ja auch nicht gleich Star Wars – nur weil beides im Weltraum spielt. ROCK IT hat schon eine deutsche Identität, eine eigene Geschichte und vor allem deutsche Songs. Dem Publikum hats gefallen, leider waren es für Disney nicht genügend Zuschauer, um eine Fortsetzung zu bestellen. Aber es war und ist ein schöner, deutscher Jugendfilm.


Wie hat der Film dein Leben verändert?


Ich bin schon froh, dass ich durch den Film nicht zum Teenie-Star geworden bin. Ich musste schon viele Autogramme schreiben und auch heute sprechen mich noch kleine Mädchen an, die den Film jetzt auf DVD gesehen haben. Das ist cool, aber es nimmt nicht überhand, vor allem werde ich nicht mein Leben lang auf diese Rolle festgelegt. Aber der Film war wichtig für mich, hat mir eine Menge Türen geöffnet. Unter anderem diese hier. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass dieses Stück einmal auf der Bühne zu sehen sein würde, geschweige denn, dass ich involviert bin und sogar Regie führe!


Hast du als Regisseur nun Blut geleckt?


Auf jeden Fall! Ich würde das wieder machen. Aber mir macht auch das Schauspielern echt Spaß. Ich liebe es, mich in einen Stoff festzubeißen und ihn zu erarbeiten. OK, das machen Regisseure auch. Ich liebe es, kreativ zu sein. Synchronisieren, Spielen, Musik machen. All das möchte ich nie missen. Ein 9 to 5 Job wäre nicht mein Ding. Ich brauche das Kreative, das Abwechslungsreiche. Das erfüllt mich, macht mich glücklich. Ich hab schon neue, spannende Projekte in der Pipeline, aber die sind noch geheim.


FAZIT


Die Umsetzung von ROCK IT! auf die Musicalbühne ist voll gelungen. Großartige Darsteller, tolle Musiker, grandioser Chor, rockende Band und eine mitreißende Umsetzung. Alle Daumen hoch und Hut ab für Regie-Debutant Daniel Axt. Weitere Vorstellungen der Produktion gibt es leider wohl erst 2016.


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