Sonntag, 22. November 2015

Was hinter den Mauern liegt [Buchbesprechung]

Ver-rückt
von Alex Frederickson

Hallo Ihr Lieben,

Rezensionen zu Büchern findet man bei uns eher selten. Allerdings haben Sanni und ich bei dem Roman hier beschlossen eine Ausnahme zu machen, da er uns beide sehr bewegt hat. 

Eine psychiatrische Klinik im England der 80er Jahre: die 19-jährige Kat will nichts lieber als Krankenschwester in dieser Klinik werden. Und sie wird tatsächlich ausgewählt. Gegen den Widerstand ihres Vaters taucht sie in eine vollkommen fremde Welt ein. 3 Jahre lang lernt sie den Umgang mit Depressiven, Schizophrenen und Dementen. Und sie lernt, was es heißt, psychisch krank zu sein und der Welt klar machen zu müssen, dass man an etwas leidet, was man nicht sehen kann.

"Ver-rückt" ist mein erster Roman von Alex Frederickson und hat mich sehr berührt. Die Autorin verarbeitet in diesem Roman ihre eigenen Erfahrungen als Mitarbeiterin in einer Klinik für psychische Krankheiten und zeigt dabei mit viel Gefühl, wie der Alltag innerhalb der Mauern abläuft.

Die Geschichte wird von der Hauptfigur Kat selbst erzählt. Dabei gibt es sowohl eine kurze Betrachtung der Gegenwart wie auch, und dies ist der Großteil des Romans, eine Schilderung ihres Werdeganges und ihrer Erlebnisse. Kat ist von Beginn an hochmotiviert und überzeugt, dem Job der Krankenschwester gerecht zu werden. Zudem zeigt sie durch ihre Schilderungen, dass sie jeden Patienten, egal wie "verrückt" er erscheint, zuerst als Mensch und dann als jemanden mit einer Krankheit sieht. Das hat mich tief beeindruckt.

Der Roman zeigt jedoch nicht nur den Weg der Hauptfigur. Man erfährt auch etwas über die Patienten, die in der Klinik teilweise Jahre lang ihr Dasein fristen. Alex Frederickson hat sich für jede Station mindestens einen, meist aber mehrere Patienten herausgegriffen und anhand teilweise sehr erschütternder Schicksale gezeigt, wie es für Klinikbewohner ist, wenn sie als verrückt oder gar blöd abgestempelt werden. Durch diese Schilderungen kam ich selbst ins Grübeln und Nachdenken, wie ich solchen Menschen, die sehr mit sich zu kämpfen haben, begegnen würde.

Das Werk ist keineswegs leichte Unterhaltung oder gar zum Entspannen. Dafür ist die Thematik und auch schonungslose Offenheit der Erzählung einfach zu mächtig und auch traurig. Wer aber mal einen Blick hinter die Kulissen einer psychiatrischen Klinik werfen möchte, sollte sich nicht scheuen.

Der Stil der Autorin ist sehr gut zu lesen. Alex Frederickson erzählt mit viel Gefühl, gutem Auge für die Darstellung und ohne Lächerlichkeit aus dem Leben der Patienten. Das finde ich bewundernswert.

Fazit: ein guter und wichtiger Roman. Ich kann ihn empfehlen.

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