Sonntag, 8. Mai 2016

Es laden die Vampire zum Tanz!


Hallo Ihr Lieben,

Anfang Mai riefen die Vampire und was wäre ich für eine Jungfrau (*hust hust*), wenn ich diesem Ruf nicht gefolgt wäre. Schon zum zweiten Mal ließ ich mich in die Welt von Alfred, Prof. Abronsius und Graf Krolock entführen.
Aber lest selbst...
Vor einigen Jahren schon war ich bei den Vampiren hier in Berlin und konnte seitdem nicht mehr von ihnen lassen. Daheim lief die komplette Aufnahme aus Wien rauf und runter, ich gab den Grafen im Auto bei heruntergelassenen Scheiben (und bekam sogar Szenenapplaus von anderen Autofahrern!) und war umso aufgeregter, als es hieß, dass die Vampire in die Hauptstadt zurückkehren. Das war meine Chance!


Allein das Theater des Westens empfängt einen schon mit Pomp ohne dabei billig zu wirken. Wer dort einkehrt, fühlt sich in der Zeit zurückversetzt.
Das Publikum war bunt gemischt: von Familien mit Kindern über junge Paare bis hin zu älteren Gästen war alles vertreten und aus den Gesprächen konnte ich raushören, dass es mehr Menschen gab, die sich das Musical öfter anschauen, als ich dachte. Graf Krolock kann man sich eben nicht entziehen.

Als es losging, war ich aufgeregt wie ein kleines Kind. Und hier schon mein erstes Lob an das Orchester. Bombastisch, perfekt abgestimmt und passend untermalten sie die Szenen. Ich konnte mich in den Untermalungen verlieren.

Doch was wäre ein Musical ohne seine Darsteller? Das Ensemble hat toll zueinander gepasst, auch wenn es an manchen Stellen noch nicht so locker und leicht wirkte, wie ich es aus meinem ersten Mal kannte. Aber je länger das Stück ging, desto mehr kamen sich Schauspieler und Publikum näher und das Solo von Prof. Abronsius (Victor Petersen, den ich ohne Maske NIE erkannt hätte) brach endgültig das Eis.

Das Paar Alfred und Sarah harmonierten nicht immer so schön, wie ich es gern gesehen hätte. Sarah wirkte manchmal sehr kalt und ich hatte direkt Mitleid mit Alfred. Aber stimmlich kamen die beiden wunderbar zueinander. Sarah (Veronica Appeddu) ist stimmlich eine tolle Besetzung. Von der Darstellung her fehlte es mir an Naivität, dass für das Mädchen von Chagal typisch ist.

In Alfred (Tom van der Ven, was  man auch am süßen Akzent hört) habe ich mich direkt verguckt. Wenn er leicht tollpatschig hinter dem Professor herläuft oder mit großen Augen Sarah bestaunt, möchte man ihn einfach nur in den Arm nehmen. Dennoch zeigte Tom van der Ven, dass auch Alfred eine andere Seite hat und sein Solo im 2. Akt hat das gesamte Publikum aus den Socken gehauen.

Mit Spannung erwartet war jedoch, wie sollte es anders sein, der Graf Krolock. Mark Seibert durfte hier zum ersten Mal den Fürst der Finsternis geben. Bei seinem ersten Auftritt kam ich ins Kichern. Die Vampirzähne brachten den Grafen unwillkürlich zum Lispeln. Das war aber nur zu Beginn ein Problem. Im weiteren Verlauf überzeugte der Vampirfürst in weiten Teilen. Stimmlich war er ein heller Graf, nicht so düster wie erwartet, aber echt gut. Der Darstellung hätte ich an manchen Stellen mehr Arroganz verpasst, aber insgesamt schmolz ich dahin, sobald Krolock ruchbar wurde.

Wer mich überraschenderweise mehr als überzeugt hat (neben dem Professor, mit dem ich gern mal durch Bibliotheken ziehen möchte), war Chagal (Nicolas Tenerani). Der Wirt des einzigen Gasthauses am Platz lebte seine Rolle wunderbar und brachte den Witz perfekt rüber. Nicolas Tenerani hat hier Chagal mit Leben ausgefüllt und gezeigt, dass sich Widerlichkeit und Liebenswürdigkeit nicht immer ausschließen müssen.

Neben den ganzen Darstellern gebührt mein Lob und meine Hochachtung den Tänzern, die viele Szenen im Hinter- und Vordergrund mit Leben füllten. Gerade dann, wenn es um den Tanz ging, war ich in meinem Sitz geflasht von den akrobatischen und körperlichen Glanzleistungen. Dazu noch der perfekt abgelieferte Gesang, einfach ein Genuss und Traum!

Am Ende gab es Standing Ovations und das vollkommen verdient. Auch wenn es noch kleine Schwachstellen gibt, war der Abend mehr als gelungen und ich lasse mich gern immer und immer wieder von den Vampiren entführen!

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