Donnerstag, 16. Juni 2016

Disturbed in Berlin oder going down with the sickness


Hallo Ihr Lieben,

obwohl es hier ja gerne bunt und fröhlich zugeht, war für mich am 14.06.2016 Zeit, meine dunkle Seite rauszulassen. Nach über 7 Monaten Wartezeit konnte ich endlich meine Lieblingsband DISTURBED live erleben. Die Band, die aktuell durch ihr Cover von "Sound of Silence" bejubelt wird, gab sich nur in Berlin und Hamburg die Ehre. Und in Berlin war ich dabei!



Schon von weitem war klar: das Huxleys wird von schwarz dominiert. Bereits Stunden vor dem Einlass standen sich Metal-Fans die Beine in den Bauch. Die Farbe des Abends: schwarz. Das Thema: Disturbed. Mich hatte positiv überrascht, dass unter dem Besuchern auch eine Menge Frauen waren. Damit hatte ich nicht gerechnet, ist doch gerade die Richtung Metal eher männerlastig.

Als endlich der Einlass losging, stieg auch die Vorfreude. Nach der Kartenkontrolle gab es eine Körperkontrolle wie am Flughafen. Ungewöhnlich, aber leider mittlerweile notwendig. In der Halle war die Stimmung bereits vor dem Konzert ausgelassen, fröhlich (soweit man bei dunkel gekleideten Damen und Herren von fröhlich sprechen kann ;) ) und locker.

Um 21 Uhr startete der Konzertabend nicht mit Disturbed, sondern mit der Vorband Avatar. Mir war diese Band aus Göteborg bisher unbekannt. Der Sound war hart, sehr hart und ich gebe zu: so wirklich was verstanden habe ich nichts beim Text, obwohl der Frontmann englisch genutzt hat.


Avatar brachten die Halle dennoch zum Beben, überall schwangen Köpfe und Arme, das dunkle Growlen wurde imitiert und ich war das erste Mal komplett durchgeschwitzt.

Neben dem harten Sound bewies der Frontman auch Humor: er sprach nahezu perfektes Deutsch, spielte auf Rammstein an und schaffte es so auch, die Massen zum Lachen zu bringen. Eine gute Stunde war härtester Metal angesagt, bevor Avatar die Bühne für Disturbed räumten.

Mittlerweile war es nach 22 Uhr. Ich hatte mich einer kleinen Gruppe von Männern angeschlossen, die nur auf den ersten Blick die harten Jungs markierten, im Gespräch aber mehr als freundlich, witzig und aufgeschlossen waren. Was wieder mal bewies: don't judge a book by its cover!

Als der Drummer Mike Wengren die Bühne betrat, hatte ich das Gefühl, ich stände mitten in einem Boygroup-Konzert. Nicht, weil die Band weichgespült wäre, sondern weil die Männer um mich rum (und auch ich) schier ausflippten. Hatte ich vorher noch genügend Platz zum Stehen, ging es nun auf Kuschelkurs.

Nachdem auch Frontmann David Draiman auf der Bühne erschien, gab es kein Halten mehr. Ohne Begrüßung ging es direkt los. Und wie es los ging: bei einem Mix aus alten und neuen Songs sprangen, rockten und headbangten sich die Fans von Titel zu Titel. David gönnte seinem Publikum keine Pause, spielte ohne Unterbrechung mit seiner Band die Songs und forderte immer wieder zum Arme heben auf.

Spätestens nach dem 2. Song war ich wieder komplett nass geschwitzt. Aber das machte keinen Unterschied mehr, denn es tropfte nass von der Decke, die anderen Zuschauer sahen ebenso aus, als wären sie aus der Dusche getreten, aber vor allem: fast jeder hatte ein Lächeln auf den Lippen.


Bei "Sound of Silence" ging es auf der Bühne sehr ruhig zu. Die Bandmitglieder saßen bzw. standen an ihren Instrumenten, Draiman saß auf einem Barhocker und bewies eindrucksvoll: auch Metal kann emotional sein. Ich war schier erstaunt, wie die gesamte Halle, die vorher noch schrie, nun den gesamten Text des Klassikers mitsang und zeigte, wie wandelbar dieses Genre ist.

Was sowohl bei den leisen, wie lauten Songs auffiel: die Abmischung war für meine Ohren nicht gut gelungen. Die Drums und auch Gitarren überspielten David Draiman so stark, dass sein Gesang stellenweise nicht mehr zu hören war. Hier hätte ich mir besseren Sound gewünscht. Eventuell ist dies für Metal-Konzerte auch normal, dies hier war mein erstes.

Nach knapp 1,5 h verabschiedete sich die Band mit ihrem Klassiker "Down with the sickness" und bei dem Song war mir wirklich schlecht. Denn ich geriet in einen Mosh Pit und konnte mich nur mit Müh und Not auf den Beinen halten. Es wurde gerempelt, gestoßen, angesprungen. Was für die Initiatoren nach einem Heidenspaß aussah, ist für Unbeteiligte echt heftig.

Nach dem Konzert hieß es durchatmen, mit Schwitzen aufhören und das Gehör wiederfinden. Ich war komplett geflasht, grinste im Rund und hatte 2 Gedanken:

1. Das will ich nochmal machen!
2. Dann aber mit männlicher Begleitung!

Nicht, dass ich Angst hatte, denn die Herren, mit denen ich ins Gespräch kamen, waren alle freundlich und aufgeschlossen. Aber während des Konzerts hatte ich als relativ kleine Frau kaum die Möglichkeit, mich gestandenen Männern beim Pogen, Wogen und Springen entgegenzustemmen. Klar, es sollte für alle ein Spaß sein, aber nicht jeder möchte mit anderen zusammenknallen ;)

Fazit: es war mein erstes, aber definitiv nicht mein letztes Konzert dieser Art. Auch wenn ich heute den Muskelkater in allen Regionen spüre, mir der Schädel dröhnt und meine Schuhe die Farbe gewechselt haben, werde und will ich diesen Abend nie vergessen! Grandios!

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